Kapitel 117: Fabians Antrag
Anfang März wurde es wärmer.
Es war einer dieser kurzen, vorgezogenen Frühlingsabschnitte, die München manchmal hat, in denen die Temperatur für eine Woche auf zwölf, dreizehn Grad steigt und man glaubt, der Winter sei vorbei, obwohl man weiß, dass er es nicht ist. Im Garten zeigten die Schneeglöckchen ihre weißen Spitzen. Frau Brandl hatte gestern beim Kaffee gesagt: *Der März trügt. Er trügt seit hundert Jahren. Er wird wieder kalt.*
Sie hatte recht haben werden.
Aber heute war ein heller Tag.
Heute war Samstag.
—
Fabian war seit Donnerstagabend in München.
Er hatte Donnerstag, Freitag und Samstag in der Maxvorstadt gearbeitet. Wir hatten uns am Freitagabend zum Essen getroffen, in einem Restaurant in Schwabing, das er kennenlernen wollte. Es war ein gutes Essen gewesen, leicht, nicht lang. Wir hatten danach getrennt geschlafen — er in seiner Wohnung, ich in meiner Villa — was wir schon mehrere Wochen so machten, in einer Form, die ich nicht erklärte und die er nicht in Frage stellte.
Heute, Samstag, hatte er um zwei angerufen.
Er hatte gefragt, ob wir am Isarhochufer spazieren gehen könnten.
Ich hatte zugesagt.
—
Wir trafen uns um drei am Friedensengel.
Er hatte einen leichteren Mantel an als noch vor einer Woche.
Ich hatte einen Schal mit, den ich mir an der Brücke abnahm, weil es wärmer war, als ich gedacht hatte.
Wir gingen die Maximiliansanlagen entlang, dann hinunter zur Isar, dann am Hochufer entlang, Richtung Süden.
Das Wasser hatte mehr als noch im Februar. Der Schnee aus den Alpen war geschmolzen, und die Isar führte das schmelzwassergrüne Wasser, das sie im Frühjahr immer hat. Auf dem Weg waren viele Spaziergänger — junge Eltern mit Kinderwagen, ältere Paare, einzelne Jogger.
Wir gingen langsam.
—
Fabian war nicht so gesprächig wie sonst.
Er hatte die Hände in den Manteltaschen.
Er sah den Weg an.
Manchmal sah er mich von der Seite an, nicht lange, dann wieder den Weg.
Ich kannte das nicht.
Ich kannte ihn als ruhig, aber nicht als angespannt.
Ich sagte nichts.
Ich hatte gelernt, mit Männern, die nervös sind, nicht zu reden. Es gibt Männer, die in solchen Augenblicken Stille brauchen. Mein Vater war so gewesen. Fabian, vermutete ich, war ähnlich.
—
Wir gingen etwa zwanzig Minuten.
Wir kamen an die Stelle, an der ein kleiner Hügel über die Isar ragt — ein Aussichtspunkt mit einer alten Bank, von der aus man Richtung Süden sehen kann, an klaren Tagen bis zu den Alpen.
Heute waren die Alpen sichtbar.
Sie standen wie eine dünne, weiße Linie am Horizont.
Wir blieben stehen.
Fabian sagte: „Magst du dich kurz hinsetzen?“
Ich sagte: „Ja.“
Wir setzten uns.
Die Bank war kalt.
Ich legte meinen Schal über das Holz neben mir.
—
Er sah die Berge an.
Er sagte nicht sofort etwas.
Ich sah die Berge auch an.
Ich wartete.
Schließlich sagte er: „Emilia.“
Ich sagte: „Ja.“
Er sagte: „Ich habe mir etwas überlegt.“
Ich sagte: „Mhm.“
Er sagte: „Ich habe es mir lange überlegt. Vielleicht zu lange.“
Ich sagte: „Das ist gut.“
Er drehte sich ein wenig zu mir.
Er sagte: „Möchtest du mich heiraten?“
—
Es war keine Inszenierung.
Er hatte keinen Ring gezogen.
Er hatte keine Knie gebeugt.
Er hatte den Satz gesagt, in seiner ruhigen Hamburger Stimme, mit einer kleinen Pause vor *heiraten*, in der Art, in der ein Mann eine wichtige Frage stellt, von der er nicht sicher ist, ob er sie überhaupt stellen darf.
Es war nicht romantisch.
Es war nicht schüchtern in der Art, in der ein Junge schüchtern ist.
Es war schüchtern in der Art, in der ein einundvierzigjähriger Architekt schüchtern ist — also höflich, sorgfältig, ohne Pathos, mit einer kleinen, sichtbaren Beklommenheit darüber, dass er etwas tat, das in seinem Leben nicht häufig vorkam.
Ich sah ihn an.
Er sah mich an.
Seine Augen waren nicht weicher als sonst.
Seine Stimme war nicht tiefer.
Aber er hatte die Hand, die nicht in der Manteltasche war, leicht geöffnet auf seinem Knie liegen, und ich konnte sehen, dass diese Hand etwas mehr Gewicht hatte als sonst — als sei sie an der Stelle absichtlich abgelegt, damit sie nicht wackelte.
—
Ich antwortete nicht sofort.
Ich antwortete nicht, weil ich überrascht war — das war ich nicht. Ich hatte gewusst, dass er die Frage stellen würde. Ich hatte sie nicht heute erwartet, aber ich hatte sie irgendwann erwartet.
Ich antwortete nicht, weil ich noch nicht wusste, *wie* ich antworten würde.
Ich wusste, dass ich Ja sagen würde.
Aber ich wusste auch, dass ich nicht ein einfaches Ja sagen würde.
Ich brauchte einen Moment, um den Satz zu finden.
—
Ich sagte: „Fabian.“
Er sagte: „Ja.“
Ich sagte: „Ich brauche einen Augenblick.“
Er sagte: „Natürlich.“
Wir saßen.
Vor uns die Isar. Hinter uns die Stadt. Über den Bergen ein dünner Schleier, der nicht ganz Wolke war.
Ich dachte an mein Versprechen, das ich mir vor einem Jahr gegeben hatte: dass ich nichts mehr aus Eile tun würde. Dass ich, wenn jemand in mein Leben träte, ihn ohne Hektik begrüßen würde. Dass ich, wenn jemand mich fragte, ohne Hektik antworten würde.
Heute war der Augenblick, an dem das Versprechen sichtbar wurde.
—
Ich sagte schließlich: „Ja.“
Er sah mich an.
Er hatte ein leichtes Lächeln in den Augen.
Er sagte nicht *gut* und nicht *danke*.
Er wartete.
Er hatte verstanden, dass mein Ja ein Ja war, das eine Fortsetzung hatte.
—
Ich sagte: „Aber nicht sofort.“
Er nickte.
Ich sagte: „Ich genieße noch das Stillsein.“
Er sagte: „Das verstehe ich.“
Ich sah ihn an.
Er sah mich an.
Wir saßen eine Weile so.
—
Es war keine kleine Aussage gewesen.
*Ich genieße noch das Stillsein.*
Ich hatte nicht gewusst, dass ich so etwas einmal sagen würde. Vor zwei Jahren hätte ich nicht in einem Vokabular gesprochen, in dem das Wort *stillsein* eine Eigenschaft beschrieb, die man genießen konnte. Ich hätte gedacht, *stillsein* sei ein Mangel, ein Gegenteil von *aktiv sein*, eine Pause vor dem nächsten Schritt.
Heute wusste ich es besser.
Stillsein war kein Mangel.
Stillsein war eine Eigenschaft eines Lebens, das angekommen war und sich nicht überreden ließ, weiterzueilen.
Fabian hatte das gehört, ohne dass es ihm hatte erklärt werden müssen.
—
Er sagte nach einer Weile: „Wann?“
Ich sagte: „Ich weiß es nicht. Vielleicht nächstes Jahr. Vielleicht in zwei Jahren. Ich weiß nur, dass ich es nicht in den nächsten Monaten will.“
Er sagte: „Gut.“
Ich sagte: „Stört dich das?“
Er sagte: „Nein. Ich habe vierzig Jahre gewartet, bis ich diese Frage stellen wollte. Jetzt warte ich auch noch ein Jahr.“
Ich lächelte.
Es war eine ehrliche Antwort.
Es war auch eine sehr Hamburger Antwort. Männer aus Hamburg hatten manchmal eine Form der Zurückhaltung, die in München nicht immer geschätzt wurde, aber die ich, in den letzten Monaten, hatte schätzen gelernt. Fabian gehörte zu einer Stadt, in der man Dinge nicht laut sagte, weil man sie ernst meinte.
—
Er sagte: „Ich habe keinen Ring.“
Ich sagte: „Gut.“
Er sagte: „Ich habe gedacht, das machen wir später, wenn du soweit bist.“
Ich sagte: „Sehr gut.“
Er sagte: „Eigentlich — ich habe gedacht, du könntest ihn mit aussuchen.“
Ich sah ihn an.
Es war eine kleine Geste, aber sie war richtig. Mark hatte vor zwölf Jahren einen Ring gewählt, ohne mich zu fragen — einen großen Ring, mit einem zu großen Stein, den ich nie wirklich getragen hatte. Mark hatte den Ring als Zeichen gewählt, dass er sich etwas leisten konnte. Fabian schlug vor, dass wir ihn gemeinsam wählten.
Das war keine kleine Sache.
Das war sehr genau das, was Fabian von Mark unterschied.
—
Ich sagte: „Ja.“
Er sagte: „Vielleicht im Sommer.“
Ich sagte: „Ja.“
Er nickte.
Wir saßen noch eine Weile.
Eine Familie ging vorbei — Vater, Mutter, zwei Kinder. Eines der Kinder, ein kleiner Junge, drehte sich neugierig zu uns um. Die Mutter zog ihn an der Hand weiter. Der Junge winkte uns zu, ohne dass die Eltern es sahen. Ich winkte ihm kurz zurück.
Fabian sah es.
Er lächelte.
Er sagte nichts.
—
Wir standen auf.
Wir gingen weiter.
Wir gingen nicht zurück, sondern noch ein Stück weiter Richtung Süden, an dem alten Stauwehr vorbei, dann an der Stelle, an der das Hochufer in einen flacheren Weg übergeht. Wir sprachen wenig. Wir sprachen nicht weiter über die Frage, die er gestellt hatte und die ich beantwortet hatte. Wir hatten beide verstanden, dass darüber nichts mehr zu sagen war.
Es war eine ungewöhnliche Eigenschaft eines Heiratsantrags, dass danach nicht mehr darüber gesprochen wurde.
Aber es war richtig so.
Wir hatten uns verabredet.
Wir würden heiraten, irgendwann.
Wir hatten Zeit.
—
Auf dem Rückweg, etwa eine Stunde später, kamen wir an einer kleinen Wiese vorbei, auf der ein Paar einen Picknickkorb ausgepackt hatte. Sie waren beide jung, vielleicht Mitte zwanzig. Sie aßen Sandwiches und tranken aus einer Thermoskanne. Sie lachten.
Fabian sagte, ohne sie anzusehen: „Vor zwanzig Jahren hätten wir auch so dort gesessen.“
Ich sagte: „Wir haben uns vor zwanzig Jahren nicht gekannt.“
Er sagte: „Eben.“
Ich verstand, was er meinte.
Es war nicht ein Bedauern. Es war nur eine Beobachtung darüber, dass das Leben uns auf einer anderen Strecke zueinander gebracht hatte. Eine Strecke, auf der ich einen Mark getroffen hatte, der mich nicht geschätzt hatte. Eine Strecke, auf der er eine Frau getroffen hatte, die ihn nicht gehalten hatte. Eine Strecke, auf der wir beide zu der Stelle gekommen waren, an der wir nun saßen.
Wir hätten nicht früher zueinander finden können.
Wir hätten als Mittzwanziger einander nicht erkannt.
Erst jetzt, mit vierzig und achtunddreißig, hatten wir die Augen gehabt, einen so ruhigen Menschen zu erkennen.
—
Wir kamen am Friedensengel an.
Es war kurz vor sechs.
Die Sonne stand schon tief.
Fabian sagte: „Soll ich dich nach Hause begleiten?“
Ich sagte: „Magst du heute bei mir bleiben?“
Er sah mich an.
Er sagte: „Ja.“
—
Wir gingen die Prinzregentenstraße entlang.
Wir gingen langsam.
Er hatte den linken Arm um meinen rechten gelegt — keine große Geste, einfach eine, die einen Mann und eine Frau zusammen die Straße hinunter gehen lässt, in der Art, in der ein Paar zusammen die Straße hinunter geht.
Vor mir lag München.
Vor mir lag der Frühling.
Vor mir lag ein Leben, das ich in den nächsten Jahren mit einem ruhigen Mann teilen würde, ohne Hektik, ohne Fragen, ohne Erklärung.
Ich hatte heute Ja gesagt.
Ich hatte heute Nein zu *sofort* gesagt.
Beide Antworten waren wahr gewesen.
Beide Antworten würden wahr bleiben.
—
An der nächsten Ecke kamen wir an einem kleinen Geschäft vorbei, in dem eine ältere Frau Blumen verkaufte. Sie kannte mich seit zwanzig Jahren, und sie hatte mich, als ich noch verheiratet gewesen war, oft gegrüßt, wenn ich vorbeigegangen war. Heute saß sie auf einem Hocker vor ihrem Stand und hatte einen Schal um die Schultern gelegt.
Sie sah uns.
Sie sagte: „Frau Richter.“
Ich sagte: „Frau Reiter.“
Sie sah Fabian an.
Sie sagte nichts.
Sie nickte ihm einmal zu, in einer Form von Höflichkeit, die in München manchmal eine Begrüßung war und manchmal mehr.
Fabian nickte zurück.
Wir gingen weiter.
Erst eine halbe Straße später sagte Fabian: „Sie kennt dich.“
Ich sagte: „Sie kennt mich.“
Er sagte: „Werden uns viele kennen?“
Ich sagte: „In Bogenhausen kennen mich viele. Mehr als ich gerne hätte.“
Er sagte: „Dann musst du sie alle vorstellen.“
Ich sagte: „Mache ich.“
Er lächelte.
Er sagte: „Nicht alle gleichzeitig.“
Ich sagte: „Nein. Nacheinander. Über die nächsten Jahre.“
Er nickte.
Wir gingen weiter, in der Form von Schritten, in der zwei Menschen die nächsten Jahre gingen, ohne dass sie sie nennen mussten.