Am Hochzeitstag entdeckt sie den Verrat ihres Bräutigams mit ihrer besten Freundin

Kapitel 2
Die perfekte Braut

Die Orgel schwoll an. Anna schritt durch das große Kirchenportal. Zweihundertsiebzig Köpfe drehten sich gleichzeitig zu ihr.

Bewundernde Blicke. Geflüsterte Worte. „Sie sieht wunderschön aus.“ „Das perfekte Paar.“ „Lukas ist ein Glückspilz.“

Anna lächelte. Warm. Strahlend. Niemand konnte wissen, dass dieses Lächeln eine Maske war, die sie monatelang perfektioniert hatte.

Lukas stand am Altar. Smoking tadellos. Als ihre Blicke sich trafen, sah sie es – eine winzige Spur von Schuld in seinen Augen. Nur eine halbe Sekunde. Dann lächelte er zurück, als wäre nichts.

Sophie stand neben ihm als Trauzeugin. Elegantes Kleid. Teurer Schmuck. Ihre Hände umklammerten den Brautstrauß so fest, dass die Fingerknöchel weiß wurden. Ihre Augen gingen überall hin, nur nicht zu Anna.

Anna setzte Schritt für Schritt den Mittelgang entlang. Kontrolliert. Gemessen. In ihrem Kopf stieg ein altes Bild auf, das sie nicht aufhalten konnte.

Sie war siebzehn. Der zugefrorene See hinter dem Haus ihres Vaters. Das Eis unter ihr brach ohne Vorwarnung. Das Wasser war schwarz und eiskalt. Es zog sie sofort nach unten. Sie hatte geschrien, aber kein Laut kam heraus.

Dann Sophies Hand. Sie sprang hinterher, ohne zu zögern. Zog Anna heraus. Sie saßen zitternd am Ufer, Arm in Arm, außer Atem. Sophie presste ihre Stirn gegen Annas. „Du bist meine Schwester“, sagte sie. „Für immer.“

Anna schloss das Bild weg. Hart. Endgültig. Für immer.

Sie erreichte den Altar. Lukas nahm ihre Hand. Sie fühlte sich kalt an wie das Wasser von damals.

Der Pfarrer begann mit warmer Stimme zu sprechen. Anna stand aufrecht, schön, vollkommen ruhig. In ihrer versteckten Tasche lag der USB-Stick. Schwer. Bereit.

Dann vibrierte ihr Handy einmal, kurz und leise.

Eine Nachricht. Zwei Worte.

„Bereit.“

Anna atmete langsam aus.

Das Spiel hatte begonnen.

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