Kapitel 4
Der Mann, der applaudierte
Die schwarze Limousine stand direkt vor der Kirchentür. Anna stieg ein, ohne sich einmal umzudrehen. Die Tür fiel leise ins Schloss. Der Applaus hinter ihr verstummte.
Im Wagen saß ein Mann. Mitte vierzig. Dunkler Anzug. Ruhige, messerscharfe Augen.
Marc Weber.
„Gut gemacht“, sagte er leise.
Anna lehnte sich zurück. „Du hast den richtigen Moment gewählt.“
Marc nickte. Er sprach ohne Umschweife. „Sophie ist nicht nur Lukas‘ Geliebte. Sie ist die Architektin des gesamten Plans. Vor drei Jahren erfuhr sie, dass du das Holding-Unternehmen deines Vaters erben würdest. Die Ehe war ihr einfachster Weg, die Kontrolle zu übernehmen. Lukas war nur die Figur, die sie dafür brauchte.“
Anna hörte zu, ohne eine Miene zu verziehen. Dann fragte sie ruhig: „Und mein Vater?“
Marc sah sie direkt an.
„Dein Vater ist nicht an einem Herzinfarkt gestorben.“
Die Luft im Wagen schien plötzlich um zehn Grad kälter zu werden. Anna bewegte sich nicht. Atmete nicht. Wartete.
„Beweise?“
Marc reichte ihr einen schmalen Aktenordner. Darin, eingewickelt in Schaumstoff, lag eine kleine externe Festplatte.
„Er hat drei Monate vor seinem Tod alles entdeckt. Hat heimlich Vermögen in sichere Strukturen verlagert. Und er hat mir die Festplatte geschickt. Für den Fall, dass ihm etwas passiert.“
Anna starrte auf die Festplatte. Sie dachte an einen Satz, den ihr Vater immer wiederholt hatte. „Vertraue niemandem blind, Anna. Nicht einmal denen, die dich retten.“
Jetzt verstand sie ihn zum ersten Mal vollständig.
Die Limousine fuhr durch leere Straßen. Marc wartete schweigend. Anna schloss kurz die Augen. Das Bild vom zugefrorenen See stieg wieder auf. Sophie, die sie herauszog. Die nassen Hände, die sie festhielten.
Sie öffnete die Augen.
„Dann fangen wir an.“