Am Hochzeitstag entdeckt sie den Verrat ihres Bräutigams mit ihrer besten Freundin

Kapitel 7
Lukas beginnt zu zweifeln

Drei Tage später verstand Lukas, dass es kein Zufall war.

Es hatte mit Kleinigkeiten begonnen. Ein Lieferant, der seit Jahren verlässlich geliefert hatte, sagte per E-Mail ab. Keine Begründung. Nur drei Sätze und eine Entschuldigung. Dann ein Geschäftspartner, der auf keine Nachrichten mehr antwortete. Dann die Buchhalterin, die um ein dringendes Gespräch bat.

Lukas saß in seinem Büro. Die Zahlen auf dem Bildschirm sahen nicht gut aus. Er wusste, wie gute Zahlen aussahen. Er wusste, wie schlechte Zahlen aussahen. Das hier war etwas anderes.

Er rief seinen Anwalt an. „Gibt es etwas, das ich wissen sollte?“

Der Anwalt zögerte zu lang. „Es gibt eine Anfrage der Aufsichtsbehörde. Anonym eingereicht. Noch keine formelle Ermittlung. Aber es wird geprüft.“

Lukas legte auf.

Er stand auf. Ging zum Fenster. Die Stadt lag grau da, gleichgültig, beschäftigt mit sich selbst.

Anna.

Der Gedanke kam sofort. Blieb.

Er fuhr zu Sophie. Klingelte zweimal, bevor sie öffnete. Ihr Gesicht war blass. Die Ringe unter ihren Augen dunkel und tief.

„Ich glaube, sie ist es“, sagte er. Ohne Begrüßung.

„Wer?“

„Anna.“ Er trat ein. Schloss die Tür hinter sich. „Meine Lieferanten ziehen sich zurück. Die Aufsicht stellt Fragen. Deine Konten –“

„Das ist Zufall.“ Sophies Stimme war scharf. Zu scharf.

„Sophie –“

„Es ist Zufall.“ Sie kehrte ihm den Rücken zu. Ihre Schultern waren angespannt. „Anna ist die Art Frau, die weint und verschwindet. Die Arten von Frauen, die zurückschlagen, sehen anders aus. Sie ist am Boden. Ich kenne sie.“

Lukas antwortete nicht. Weil er daran nicht mehr glaubte.

„Du hast sie falsch eingeschätzt“, sagte er leise.

Diesmal antwortete Sophie wirklich nicht.

Lukas fuhr zurück. Versuchte gemeinsame Bekannte zu erreichen. Einer nach dem anderen. Zwei antworteten gar nicht. Einer schrieb kurz: „Bitte ruf mich nicht mehr an.“ Ohne Erklärung. Klar und endgültig.

Er lehnte sich zurück. Schloss die Augen.

Drei Jahre lang hatte er gedacht, dass alles unter Kontrolle sei. Sophie hatte den Plan gemacht. Er hatte ihn ausgeführt. Einfach. Anna würde es nie merken. Anna war nicht der Typ.

Er öffnete die Augen.

Wer genau hatte das entschieden? Er? Oder Sophie?

Auf der anderen Seite der Stadt saß Anna an ihrem Schreibtisch. Vor ihr lag ein dicker Aktenstapel. Dokumente. Fotos. Berichte. Alles über Sophie Lehmann. Die wirkliche Sophie Lehmann.

Anna las Seite für Seite. Ruhig. Konzentriert. Das Bild, das sich zusammensetzte, war kälter als alles, was sie erwartet hatte.

Sie schloss den letzten Bericht.

„Sophie“, sagte sie leise, „du hast mich sechs Jahre lang unterschätzt.“

Sie öffnete die nächste Datei.

Ganz oben auf dem ersten Blatt stand ein Name: Victor Klein.

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