Am Hochzeitstag entdeckt sie den Verrat ihres Bräutigams mit ihrer besten Freundin

Kapitel 5
Die Wahrheit über ihren Vater

Das Apartment lag am Stadtrand. Ruhig. Anonym. Unbekannt.

Marc schloss die Festplatte an den Laptop an. Das Gerät brummte kurz. Dann öffnete sich der Dateibaum auf dem Bildschirm.

Nur ein einziger Ordner.

Sein Name: „Anna, wenn du das siehst, habe ich es nicht geschafft zurückzukommen.“

Annas Finger zitterten, als sie doppelklickte. Eine gescannte Seite öffnete sich. Die Handschrift ihres Vaters. Dunkel. Fest. Vertraut.

„Liebe Anna,

wenn du das liest, bin ich wahrscheinlich nicht mehr da. Sophie Lehmann ist nicht deine Freundin. Sie arbeitet seit Jahren mit einem Mann namens Victor Klein zusammen. Zusammen wollen sie das Unternehmen. Und sie wollen dich als Schlüssel benutzen, um es zu bekommen.

Ich habe die wichtigen Anteile bereits in Sicherheit gebracht. In eine Struktur, die sie nicht antasten können. Lukas ist nur der Lockvogel. Traue keinem von ihnen.

Alles, was du brauchst, liegt auf dieser Festplatte. Nutze es klug.

Ich bin stolz auf dich. Das war ich immer.

Dein Vater“

Anna las die Zeilen. Einmal. Zweimal. Dreimal.

Marc stellte schweigend ein Glas Wasser neben sie.

„Der sogenannte Herzinfarkt trat genau einen Tag vor der Unterzeichnung der letzten Unternehmensdokumente ein.“ Marcs Stimme war leise, aber jedes Wort war präzise. „Die Autopsie war zu oberflächlich. Victor Klein hat Verbindungen. Zu vielen Menschen an vielen Stellen.“

Anna stand auf. Ging zum Fenster. Unten lagen ruhige Straßen. Normale Lichter. Normales Leben. Menschen, die nicht wussten, dass die Welt sich gerade verschieben konnte, wenn jemand es wollte.

Sie dachte an Sophie. An die hundert gemeinsamen Abende. An das Versprechen am Ufer des Sees: „Wir halten zusammen. Für immer.“

Dann dachte sie an den USB-Stick. An Lukas‘ weißes Gesicht. An den Brautstrauß, der auf den Steinboden gefallen war.

„Sie haben ihn getötet“, sagte sie. Es war keine Frage.

Marc nickte. „Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit: ja.“

Anna drehte sich um. Ihre Stimme zitterte nicht.

„Dann holen wir uns alles zurück. Jeden Cent. Jeden Beweis. Jede Person, die daran beteiligt war. Und am Ende werden sie verstehen, was es bedeutet, die falsche Frau zu unterschätzen.“

Sie setzte sich wieder. Öffnete die nächsten Dateien auf der Festplatte.

Zahlen. Konten. Namen.

Victor Klein stand ganz oben auf der Liste.

Die Nacht war lang. Aber Anna hatte Zeit. Sie hatte einen Plan. Und sie hatte ihren Vater auf ihrer Seite.

Das war genug.

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