Am Hochzeitstag entdeckt sie den Verrat ihres Bräutigams mit ihrer besten Freundin

Kapitel 12
Die letzte Lektion ihres Vaters

Die Festplatte ihres Vaters lag auf dem Tisch. Das letzte verschlüsselte Verzeichnis war endlich geknackt. Marc hatte die ganze Nacht daran gearbeitet.

Anna saß allein im Apartment. Vorhänge zugezogen. Nur eine Lampe brannte. Der Rest des Raumes lag im Dunkel.

Sie klickte die Datei an.

Ein Videoplayer öffnete sich. Der Bildschirm lud kurz. Dann begann das Video.

Ihr Vater saß in seinem alten Arbeitszimmer. Das vertraute Bücherregal hinter ihm. Die warme Schreibtischlampe. Er trug das graue Hemd, das er immer am Wochenende trug. Er sah direkt in die Kamera. Müde. Aber die Augen klar.

„Liebe Anna,

wenn du dieses Video siehst, hat Victor Klein zugeschlagen. Und ich bin wahrscheinlich nicht mehr da, um dir zu helfen.

Sophie Lehmann war nie deine Freundin. Sie hat Victor seit Jahren gedient. Victor kauft Unternehmen, indem er sie zuerst zerstört. Dein Erbe war sein letztes großes Ziel.

Die Vereinbarung, die er dir vorlegt, ist eine Fälschung. Ich habe sie nie unterschrieben. Der echte Vertrag liegt beim Notar Brandt. Er ist datiert, notariell beglaubigt und widerruft jeden Anspruch, den Victor jemals stellen könnte.

Sophie hat Victor geholfen, weil er ihr die Unternehmensführung versprochen hatte. Als Preis für ihre Loyalität.

Mein Tod war kein Unfall. Die Tabletten in meinem Glas an jenem Abend – das war kein Herzinfarkt, Anna.

Aber ich habe vorgesorgt. Die Beweise sind auf dieser Festplatte. Bankbelege. Zeugenaussagen. Die echten Unterschriften.

Ich habe dich nicht beschützt, wie ich es hätte tun sollen. Aber ich habe dich vorbereitet. Das war das Einzige, was ich noch tun konnte.

Gewinne. Nicht für mich. Für dich selbst.

Und danach – vergiss nicht zu leben, Anna. Das ist das Einzige, was ich wirklich von dir will.“

Das Video endete. Schwarzer Bildschirm.

Anna saß lange da. Sie bewegte sich nicht. Draußen fuhr ein Auto vorbei. Ein Lichtkegel glitt über die Wand. Dann Dunkelheit.

Sie stand auf. Ging zum Fenster. Zog den Vorhang auf. Die Nacht war klar. Sterne, wenige, aber sichtbar.

Sie nahm das Telefon.

„Marc. Schick alles an die Staatsanwaltschaft. Notar Brandt zuerst. Dann die Festplatte. Alles. Jetzt.“

„Verstanden“, sagte Marc. Ohne Nachfragen.

Am nächsten Morgen lief die Nachricht über alle Kanäle.

„Victor Klein unter dringendem Verdacht auf Betrug, Urkundenfälschung und Beteiligung an nicht natürlichem Tod.“

Victor saß in seiner Villa. Die Kaffeetasse in seiner Hand wurde kalt. Er starrte auf den Bildschirm. Sein Name. Groß. Auf allen drei Nachrichtensendern gleichzeitig. Unübersehbar.

Er sagte kein Wort.

Anna sah die Schlagzeile auf ihrem Handy.

Sie schloss die Augen.

„Danke, Papa“, flüsterte sie.

Dann öffnete sie die nächste Akte.

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