Fünf Jahre pflegte sie ihren kranken Mann – nach seiner Genesung reichte er die Scheidung ein und nannte sie wertlos

Kapitel 5 – „Er beginnt zu graben“

Die Wohnung war still. Leer. Fremd.

Markus saß am Esstisch und starrte ins Nichts.
Eine Flasche Bier stand vor ihm. Unberührt.

Die Scheidung war durch. Das Haus gehörte ihm.
Auf dem Papier hatte er alles gewonnen. Die Frau war weg. Das Leben war frei.

Aber er konnte nicht schlafen.

Immer wieder sah er ihr Gesicht im Konferenzsaal vor sich.
Diese Ruhe. Diesen Blick. Diesen einen Satz.

„Das ist erst der Anfang.“

Was hatte das bedeutet?

Er griff zum Handy. Rief einen Privatdetektiv an.

„Ich brauche Ihre Hilfe. Finden Sie alles über Lena Voss heraus.
Die letzten fünf Jahre. Jede Geldbewegung. Jedes Konto. Jeden Kontakt.“

Zwei Tage später. Ein Treffen in einem ruhigen Café.

Der Privatdetektiv legte einen dicken Umschlag auf den Tisch.

„Sie hat bereits im ersten Jahr Ihrer Krankheit begonnen.
Eigenes Kapital. Über Treuhandkonten. Alles legal.“

Markus blätterte die Seiten durch. Zahlen. Daten. Verträge. Überweisungen.

„Während Sie im Krankenhaus lagen, hat sie Anteile erworben.
Leise. Systematisch. Ohne Aufmerksamkeit zu erregen.“

Markus schluckte.

„Und das hier.“ Der Detektiv legte ein Foto auf den Tisch.
„Vor fünf Jahren. Lena Voss mit einem älteren Mann. Erkennen Sie ihn?“

Markus schaute das Bild an. Dann wurde sein Atem flacher.

Er kannte diesen Mann.

„Das ist der stille Investor. Der Gründer.
Ohne ihn würde diese Firma nicht existieren.“

Der Detektiv nickte. „Genau der. Er hat sich mehrfach mit Ihrer Ex-Frau getroffen.“

Markus ließ das Foto langsam auf den Tisch sinken.

„Da ist noch etwas. Voss ist kein gewöhnlicher Name.
Es gibt Verbindungen. Zu sehr viel größeren Strukturen.“

Markus stand auf. Ging zum Fenster. Schaute auf die Straße hinunter.

Eine Straßenbahn fuhr vorbei. Das Leben lief weiter.

Nur er stand still.

Sein Handy vibrierte. Eine Nachricht von seiner Schwester Julia.

„Markus. Papa hat gerade angerufen. Wir müssen dringend reden. Es geht um Lena.“

Markus starrte auf das Display.

Und zum ersten Mal seit Jahren spürte er echte Angst.

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