Kapitel 3 – „Der Tag der Unterschrift“
Das Anwaltsbüro war kühl. Die Luft roch nach Papier und Kälte.
Lena saß auf einem Stuhl. Rücken gerade. Hände ruhig auf dem Tisch.
Sie trug ein einfaches blaues Kleid. Keine Kette. Keine Auffälligkeit.
Die Tür ging auf.
Markus kam herein. Sabrina Kraft hing an seinem Arm.
Enge Hosen. Hohes Lächeln. Seine ehemalige Sekretärin. Jetzt offenbar mehr.
Der Anwalt schaute diskret zur Seite.
„Na, Lena?“, sagte Markus laut. Fast amüsiert.
„Bereit für dein neues Leben als Single?“
Sabrina lachte leise. „Du kannst froh sein, dass er so großzügig ist.
Andere Männer würden dich einfach mit nichts auf die Straße setzen.“
Markus schob die Papiere über den Tisch.
„Unterschreib. Du hast keinen Job. Kein Geld. Kein Netzwerk.
Such dir was im Supermarkt. Kasse machen oder Regale einräumen. Das passt zu dir.“
Lena nahm den Stift.
Sie unterschrieb. Langsam. Blatt für Blatt. Gleichmäßige Handschrift.
Keine zitternde Hand. Kein Schluchzen. Kein einziges Wort.
Nur ein kleines Lächeln auf den Lippen. Kaum sichtbar.
Markus wartete auf Tränen. Auf einen Ausbruch. Auf irgendetwas.
Sabrina lehnte sich etwas vor.
Nichts kam.
Lena legte den Stift hin. „Das war’s.“
Sie stand auf. Griff ihre Tasche. Nickte dem Anwalt kurz zu.
Dann verließ sie das Büro ohne ein weiteres Wort.
Draußen rauschte der Verkehr. Die Sonne schien warm auf das Pflaster.
Lena blieb auf dem Gehweg stehen. Sie atmete einmal tief durch.
Ihr Handy klingelte.
Unbekannte Nummer. Sie nahm ab.
Eine ruhige Männerstimme. „Frau Voss. Hier ist Dr. Felix Brenner.“
Lena wurde ganz still.
„Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Alle Unterlagen liegen vor.“
„Gut.“
„Morgen früh. Neun Uhr. Der Aufsichtsrat erwartet Sie.
Sie leiten die Sitzung persönlich.“
Lena schloss kurz die Augen. Sie dachte an die Blumen auf dem Tisch.
An den Wein. An das Lieblingsessen, das er nicht einmal angeschaut hatte.
Dann öffnete sie die Augen wieder.
„Ich werde da sein.“
Sie legte auf.
Auf ihrem Display blinkte eine neue Nachricht auf.
Ein einziger Satz, ohne Unterschrift.
„Willkommen zurück, Frau Voss.“