Fünf Jahre pflegte sie ihren kranken Mann – nach seiner Genesung reichte er die Scheidung ein und nannte sie wertlos

Kapitel 14 – „Vor ihrer Tür“

Der Regen war in einen eiskalten, peitschenden Sturm übergegangen.

Markus stand vor den massiven Eisentoren von Lenas neuem Anwesen.

Es war eine gewaltige Villa in den teuersten Hügeln der Stadt.

Er war fast eine Stunde durch den strömenden Regen gelaufen.

Seine Kleidung klebte nass und schwer an seinem frierenden Körper.

Er drückte den Knopf der Video-Gegensprechanlage.

Einmal. Zweimal. Zehnmal.

„Bitte“, flüsterte er in den Regen hinein. „Bitte, Lena.“

Nach langen, quälenden Minuten hörte er das leise Summen des Türöffners.

Das schwere Tor schwang langsam und lautlos auf.

Markus rannte den langen, beleuchteten Kiesweg hinauf zur Haustür.

Die Tür stand bereits einen Spaltbreit offen. Warmes Licht fiel auf die Stufen.

Lena stand im Rahmen. Sie trug ein elegantes, dunkles Seidenkleid.

Sie sah unangetastet aus. Perfekt. Wie aus einer anderen Welt.

Markus brach sofort auf den nassen Steinstufen zusammen.

Er fiel buchstäblich auf die Knie. Das kalte Wasser spritzte hoch.

Er vergrub sein Gesicht in seinen schmutzigen Händen und weinte.

„Es tut mir leid“, schluchzte er erbärmlich.

„Lena, bitte. Ich war ein arroganter Narr. Ich war blind.“

Er kroch auf den Knien einen halben Meter auf sie zu.

„Ich habe alles verloren. Meine Firma. Meine Eltern. Alles.“

„Bitte vergib mir. Lass uns von vorn anfangen. Ich liebe dich.“

Die Lügen flossen einfach aus ihm heraus, geboren aus purer Verzweiflung.

Lena trat keinen einzigen Millimeter zurück.

Sie sah auf ihn herab, als würde sie ein fremdes Insekt betrachten.

Es gab keinen Triumph in ihren Augen. Keine Freude an seiner Qual.

Nur grenzenlose, endgültige Gleichgültigkeit.

„Steh auf, Markus“, sagte sie mit einer Stimme wie zerbrochenes Glas.

„Du machst dich völlig lächerlich.“

Markus hob das nasse Gesicht. Tränen und Regen liefen über seine Wangen.

„Gib mir noch eine einzige Chance. Ich tue alles, was du willst.“

Lena verschränkte die Arme vor der Brust.

„Weißt du noch, was du an deinem ersten Tag zu Hause gesagt hast?“

Markus schluckte schwer. Die Erinnerung schnürte ihm die Kehle zu.

„Du hast am Telefon gelacht“, fuhr Lena schonungslos fort.

„Du hast gesagt, ich sei überflüssig. Ich hätte keinen Wert für dich.“

„Du hast mich wie ein altes Möbelstück weggeworfen.“

Sie beugte sich leicht zu ihm hinunter.

„Du sagtest, ich sei wertlos.“

„Ich wollte dir nur beweisen, wie sehr du dich geirrt hast.“

Markus streckte verzweifelt eine zitternde Hand nach ihr aus.

„Lena, bitte…“

„Das Spiel ist vorbei, Markus.“

Sie richtete sich wieder auf. Ihr Blick war völlig leer.

„Komm nie wieder in meine Nähe.“

Sie trat einen Schritt zurück in den hellen, warmen Flur.

Sie schloss die schwere Holztür.

Das Schloss klickte laut und unerbittlich.

Markus blieb allein in der kalten, nassen Dunkelheit zurück.

Drinnen ging Lena langsam in ihr großes, stilles Arbeitszimmer.

Auf dem Mahagonischreibtisch lag ein letztes, wichtiges Dokument.

Die offizielle Löschung des Namens Hahn aus all ihren Registern.

Sie nahm ihren silbernen Füllfederhalter.

Sie unterschrieb mit einem eleganten, fließenden Schwung.

Lena Voss.

Sie war endlich frei.

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