Kapitel 13 – „Das Imperium“
Der Bildschirm über der Bar zeigte eine pompöse Pressekonferenz.
Ein riesiger, lichtdurchfluteter Saal im Zentrum von Frankfurt.
Dutzende Kameras blitzten. Journalisten drängten sich nach vorn.
Im Hintergrund prangte ein brandneues, goldenes Firmenlogo.
„Voss Capital.“
Markus starrte auf den Fernseher. Er vergaß zu atmen.
Auf dem Podium stand Lena.
Sie trug ein atemberaubendes, maßgeschneidertes weißes Kostüm.
Sie strahlte eine Macht aus, die den gesamten Saal füllte.
Neben ihr standen drei Männer in teuren Anzügen.
Markus erkannte diese Männer sofort.
Es waren seine größten, wichtigsten Geschäftspartner.
Die Männer, die er jahrelang umworben hatte.
„Meine Damen und Herren“, sprach Lena in das Mikrofon.
Ihre klare Stimme übertönte das Klicken der Kameras mühelos.
„Ich freue mich, heute die Gründung von Voss Capital bekanntzugeben.“
„Wir haben soeben drei der innovativsten Technologieprojekte Europas übernommen.“
Sie reichte den drei Männern nacheinander lächelnd die Hand.
Die Partner sahen sie mit tiefer Bewunderung und Respekt an.
Markus umklammerte sein leeres Schnapsglas, bis seine Knöchel weiß wurden.
Das waren seine Projekte. Seine Visionen. Sein Lebenswerk.
Er hatte Nächte durchgearbeitet, um diese Verträge vorzubereiten.
Und jetzt standen diese Männer dort und lächelten seine Ex-Frau an.
„Wir werden diese Projekte mit einem Startkapital von zweihundert Millionen Euro finanzieren“, fuhr Lena fort.
Die Journalisten im Saal schrieben hektisch mit.
Zweihundert Millionen.
Markus schloss die Augen. Der Schmerz war fast körperlich.
Das war eine Summe, von der er nicht einmal zu träumen gewagt hatte.
Lena hatte sein kleines Unternehmen nicht nur übernommen.
Sie hatte es als bloßes Sprungbrett für ihr eigenes Imperium genutzt.
Sie hatte ihn nicht nur besiegt. Sie hatte ihn völlig ausgelöscht.
„Frau Voss“, rief ein Reporter aus der ersten Reihe.
„Was sagen Sie zu den Gerüchten um Ihren Ex-Mann?“
Der Saal wurde schlagartig still.
Lena blickte direkt in die Kamera. Ihr Gesicht war vollkommen gelassen.
„Die Vergangenheit interessiert mich nicht“, sagte sie kühl.
„Voss Capital investiert nur in Dinge, die einen echten Wert haben.“
Die Worte trafen Markus wie ein Hammerschlag mitten ins Gesicht.
Die einen echten Wert haben.
Er hatte sie am Tag seiner Entlassung genau so genannt. Wertlos.
Jetzt gab sie ihm dieses Wort vor der ganzen Nation zurück.
Der Barkeeper schaute Markus mitleidig an.
„Hartes Zeug“, brummte der Mann und wischte den Tresen ab.
„Diese Frau hat keine Gefangenen gemacht.“
Markus warf einen zerknitterten Geldschein auf den feuchten Tresen.
Er schwankte, als er sich von seinem Barhocker erhob.
Er hatte keine Würde mehr. Er hatte keinen Stolz mehr.
Die Arroganz der letzten Wochen war komplett verbrannt.
Es gab nur noch eine einzige, winzige Chance.
Er musste zu ihr. Er musste vor ihr auf die Knie fallen.
Er stolperte aus der dunklen Bar in die kalte Nacht hinaus.
Sein Entschluss stand fest.