Sie wurde von ihrem Verlobten gedemütigt – und heiratete seinen größten Feind

Kapitel 7 — Was zwischen ihnen wuchs

Der Abend begann wie immer. Unterlagen. Zwei Gläser Wasser. Alexander auf der einen Seite des Tisches, Elena auf der anderen.

Aber etwas war anders.

Victor hatte die Gerüchte in Umlauf gebracht. Drei Versionen, alle falsch, alle giftig. Elena sei eine bezahlte Figur. Elena habe eine Vergangenheit. Elena sei nicht das, was sie vorgebe zu sein. Die Geschichte hatte begonnen, durch bestimmte Kreise zu zirkulieren. Noch langsam. Aber stetig.

Alexander legte eine Akte vor sie hin. „Victors Netzwerk arbeitet auf zwei Ebenen. Die erste ist öffentlich — Medienkanäle, Pressekontakte. Die zweite ist privat — direkte Gespräche mit Investoren und Partnern. Wir müssen auf beiden Ebenen präsent sein.“

„Wie?“

„Wir bauen Ihr Profil auf. Öffentlich und gezielt.“ Er sah sie an. „Das bedeutet mehr Auftritte. Mehr Sichtbarkeit. Mehr Situationen, in denen Menschen Sie direkt erleben.“

Elena nickte.

Sie arbeiteten zwei Stunden. Dann legte Alexander den Stift hin.

„Haben Sie etwas gegessen heute?“

Sie sah hoch. „Ich — was?“

„Gegessen. Heute.“ Er stand auf. „Es ist halb neun.“

„Ich habe zu Mittag—“ Sie brach ab. Hatte sie? Sie konnte sich nicht erinnern.

Alexander verschwand kurz in den Nebenraum. Als er zurückkam, trug er zwei Teller. Kalte Aufschnittplatten aus dem Kühlschrank seines Büros, Brot, etwas Käse.

Er stellte einen vor sie hin. Ohne ein Wort.

Elena sah ihn an.

„Danke“, sagte sie leise.

Er setzte sich und begann selbst zu essen. Kein großes Gespräch. Kein Kommentar. Einfach zwei Menschen, die nach einer langen Sitzung aßen.

Irgendwann sagte Elena: „Darf ich Sie etwas fragen? Etwas Persönliches?“

Alexander sah nicht auf. „Vielleicht.“

„Haben Sie jemandem, dem Sie vertrauen? Wirklich vertrauen?“

Eine kurze Stille.

„Früher“, sagte er schließlich. „Jetzt nicht mehr.“

„Was ist passiert?“

Er legte das Brot hin. Sah sie diesmal direkt an.

„Dasselbe, was Ihnen passiert ist. Jemand hat sich entschieden, dass ich nützlicher bin, wenn man mich kontrolliert.“ Eine Pause. „Ich habe diese Entscheidung nicht geschätzt.“

Elena sagte nichts. Sie verstand es.

Sie aßen weiter. Draußen war es dunkel. Die Stadt leuchtete gleichmäßig durch das große Bürofenster.

Irgendwann — sie wusste nicht genau wann — bemerkte sie, dass sie nicht mehr über Victor nachdachte. Nicht über die Pläne, nicht über die Unterlagen.

Nur über diesen Raum. Diesen Tisch. Diesen Mann.

Alexander räumte die Teller weg. Als er zurückkam, blieb er kurz hinter ihr stehen.

„Sie machen Fortschritte“, sagte er ruhig. „Mehr als ich erwartet habe.“

Sie drehte sich nicht um. Aber sie spürte, wie warm das Wort landete.

„Gut“, sagte sie. „Dann enttäusche ich Sie hoffentlich nicht.“

Er antwortete nicht.

Aber er lächelte — kaum sichtbar, kurz, fast für sich allein.

Sie sah es im Spiegelbild des Fensters.

Und sie dachte: Ich bin in Schwierigkeiten.

Am nächsten Morgen erfuhr sie, dass Victor eine neue Front geöffnet hatte.

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