Sie wurde von ihrem Verlobten gedemütigt – und heiratete seinen größten Feind

Kapitel 14 — Das Ende seiner Welt

Victor Lang rief an einem Freitagmorgen an.

Elena sah den Namen auf dem Bildschirm. Sie ließ ihn dreimal klingeln. Dann nahm sie ab.

„Elena.“ Seine Stimme hatte sich verändert. Nicht die glatte, selbstsichere Stimme des Mannes, der sie vor einem vollen Ballsaal bloßgestellt hatte. Diese Stimme war flacher. Kontrollierter — aber nur mühsam.

„Victor.“

„Ich weiß, dass wir keine gute Geschichte haben.“ Eine Pause. „Ich weiß, dass vieles von dem, was passiert ist, falsch war.“

Elena sagte nichts. Sie wartete.

„Ich möchte reden. Persönlich. Ohne Anwälte, ohne Öffentlichkeit. Nur ein Gespräch.“ Eine weitere Pause. „Ich glaube, wir können eine Lösung finden, die für beide Seiten—“

„Nein“, sagte Elena.

Stille.

„Elena, hör mir zu—“

„Ich höre dir zu, Victor. Ich höre dir seit Jahren zu. Ich habe dich sagen hören, dass ich zu gewöhnlich bin. Dass ich zu begrenzt bin. Ich habe dich sagen hören, dass ich ein Dach über dem Kopf nur durch einen Mann bekommen kann. Ich habe dir gut zugehört.“

Er schwieg.

„Es gibt nichts zu besprechen.“

„Mein Unternehmen—“

„Ist dein Problem.“

„Die Schulden—“

„Sind dein Problem.“

Eine lange Pause. Dann, leiser: „Was willst du? Sag mir, was du willst. Ich zahle. Ich ziehe mich zurück. Alles. Ich mache alles rückgängig, was—“

„Du kannst nichts rückgängig machen.“ Elenas Stimme blieb vollkommen ruhig. „Das ist das Problem, Victor. Manche Dinge lassen sich nicht zurücknehmen.“

Sie legte auf.

Drei Tage später reichte Victors Unternehmen Insolvenzantrag ein. Die Meldung erschien gegen Mittag in den Wirtschaftsnachrichten. Elena las sie an ihrem Schreibtisch, mit einem Kaffeebecher in der Hand und dem Blick auf die Stadt.

Kein Triumph. Keine Genugtuung. Nur die stille, klare Erkenntnis, dass etwas Notwendiges geschehen war.

Alexander kam kurz nach Mittag in ihr Büro. Er legte die Zeitung auf ihren Schreibtisch.

„Du hast es gesehen“, sagte er.

„Ja.“

„Wie fühlst du dich?“

Elena dachte nach. Wirklich nach.

„Fertig“, sagte sie. „Ich fühle mich fertig damit.“

Er nickte.

Dann trat er ans Fenster und sah auf die Stadt hinunter. Die Stille zwischen ihnen war keine unbehagliche.

„Was passiert jetzt mit ihm?“, fragte sie.

„Das Gericht wird die Vermögenswerte prüfen. Die Verfahren wegen der gefälschten Unterlagen laufen bereits. Es wird Zeit brauchen.“ Er wandte sich um. „Aber das Ergebnis steht fest.“

Elena sah ihn an.

„Und wir?“

Er sah sie an — mit diesem ruhigen, undurchdringlichen Blick, den sie inzwischen kannte. Dem Blick, hinter dem mehr war, als er zeigte.

„Wir fangen an“, sagte er.

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