Kapitel 3 — Das Angebot
Elena stand im Meridian Club. Weißer Marmor. Hohe Kristallwände. Über hundertfünfzig der mächtigsten Wirtschaftsvertreter der Stadt. Champagner auf Silbertabletts. Der schwere Geruch von Geld und Macht.
Sie trug ein nachtblaues Kleid. Alexanders Assistent hatte es am Morgen geliefert. Es passte perfekt.
Alexander bot ihr den Arm. Sie legte ihre Hand hinein und betrat die Runde.
Die ersten zwanzig Minuten verliefen ruhig. Begrüßungen. Kurze, korrekte Gespräche. Elena lächelte und schwieg, wie vereinbart. Alexander führte jedes Gespräch. Ruhig. Präzise.
Dann öffnete sich die große Tür auf der anderen Seite des Saales.
Victor trat ein. Sofia Brandt an seinem Arm. Strahlend. Triumphierend.
Er sah sie sofort.
Sein Schritt stockte. Nur eine halbe Sekunde. Aber Elena sah es genau. Wie seine Kiefermuskeln sich anspannten. Wie sein Blick zwischen ihr und Alexander hin- und hersprang. Wie er versuchte, gleichgültig auszusehen — und scheiterte.
Er flüsterte etwas in Sofias Ohr. Sie lachte zu laut, zu gezwungen. Victor steuerte auf einen anderen Gesprächskreis zu und vermied sorgfältig, in ihre Richtung zu sehen.
Elena beobachtete alles. Ruhig. Klar. Ohne ein Zittern.
Vor vier Tagen hatte er sie in einem vollen Ballsaal zerstört. Heute war er derjenige, der auswich.
Beim Dessert sprach Alexander einen einflussreichen Investor an — einen Mann, den Victor seit Monaten umwarb. Das Gespräch war kurz. Als es endete, streckte der Mann Alexander die Hand entgegen. Eine klare Zusage.
Victor sah es. Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Aber er stellte sein Glas ab — etwas zu hart.
Auf dem Weg zur Garderobe trat Victor plötzlich an Elena heran. Allein. Ohne Sofia.
„Ich hoffe, du weißt, was du tust“, sagte er leise, seine Stimme voller unterdrückter Wut.
Elena sah ihm direkt in die Augen.
„Ich fange gerade erst an“, antwortete sie ruhig.
Victor starrte sie an. Zum ersten Mal sah sie echte Unsicherheit in seinem Blick.
Sie drehte sich um. Alexander wartete an der Tür.
„Gut gemacht“, sagte er leise, als sie neben ihm stand.
Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sich etwas in ihr wieder fest an.
Aber als sie das Gebäude verließen, warf sie einen letzten Blick zurück.
Victor stand am Fenster und sah ihr nach.
Sein Gesicht war nicht mehr gleichgültig.
Es war voller kalter, berechnender Wut.
Und in diesem Moment wusste sie: Er würde zurückschlagen.