Sie wurde von ihrem Verlobten gedemütigt – und heiratete seinen größten Feind

Kapitel 10 — Das Angebot, das sie nicht erwartet hatte

Die Wochen danach waren kein Triumph.

Das war das Erste, was Elena verstand.

Victors Anwälte meldeten sich innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach dem Summit. Einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung der Dokumente. Klage gegen unbekannte Dritte. Pressemitteilung, die alles als koordinierten Angriff darstellte.

Der Schaden war bereits angerichtet. Zwei seiner wichtigsten Investoren hatten sich still zurückgezogen. Drei Medien hatten weiterberichtet. Aber Victor war nicht am Boden.

Er war verletzt. Und ein verletzter Victor Lang war gefährlicher als ein selbstsicherer.

Elena erfuhr das in der Woche nach dem Summit auf die härteste Art. Ihr Name tauchte in einem anonymen Bericht auf — Andeutungen, keine konkreten Vorwürfe, aber präzise genug, um Zweifel zu säen. Ein Anruf bei einem Investor, den sie gerade aufgebaut hatte, endete kalt. Ein Treffen wurde abgesagt.

Victor kämpfte im Dunkeln. Aber er kämpfte.

An einem Dienstagabend saß Elena allein in der Wohnung. Die Akte vor ihr. Die Optionen weniger geworden.

Es klopfte.

Alexander.

Er trat ein, ohne lange zu erklären. Er legte seinen Mantel ab und setzte sich ihr gegenüber. Er sah müde aus. Nicht erschöpft — aber wie ein Mensch, der viele Dinge gleichzeitig trägt.

„Er wird nicht aufhören“, sagte Alexander.

„Nein.“

„Nicht solange er glaubt, allein angreifbar zu sein.“ Eine Pause. „Aber es gibt eine Möglichkeit, das zu ändern.“

Elena sah ihn an. „Was meinen Sie?“

Er legte die Hände auf den Tisch. Keine Unterlagen. Keine Akte.

„Heiraten Sie mich.“

Stille.

„Was?“

„Nicht als Geste.“ Er sah sie direkt an. „Als rechtliche Verbindung. Als Signal an jeden in diesem Markt, dass Kane Industries und Sie nicht zu trennen sind. Victors Angriffe auf Sie sind Angriffe auf mich. Und mich greift man nicht ungestraft an — das weiß jeder.“

Elena öffnete den Mund. Schloss ihn wieder.

„Das ist…“ Sie suchte nach dem richtigen Wort. „Das ist ein extremer Schritt.“

„Ja.“ Er wich ihrem Blick nicht aus. „Aber es ist der richtige.“

„Und wenn ich Nein sage?“

„Dann suchen wir einen anderen Weg.“ Er lehnte sich leicht zurück. „Ich zwinge Sie zu nichts. Ich erkläre Ihnen eine Option.“

Elena sah ihn lange an.

Dieser Mann hatte ihr eine Wohnung gegeben, als sie auf der Straße stand. Er hatte ihr beigebracht, wie man kämpft. Er hatte ihr nie falsche Versprechen gemacht.

Und jetzt saß er ihr gegenüber und bot ihr das Einzige an, das Victor wirklich aufhalten würde.

Sie dachte eine Minute lang nach.

Dann sagte sie: „Ja.“

Alexander nickte. Keine Überraschung. Keine Erleichterung. Nur das ruhige Nicken eines Mannes, der gewusst hatte, dass sie Ja sagen würde — weil sie keine andere Wahl hatte.

Aber als er aufstand und seinen Mantel nahm, blieb er an der Tür stehen.

„Elena.“

Sie sah hoch.

„Ich werde Sie nicht enttäuschen.“

Dann ging er.

Elena blieb sitzen. Ihr Herz schlug schnell. Ihre Hände waren ruhig.

Irgendwo in der Stadt bereitete Victor seinen nächsten Zug vor.

Er ahnte nicht, was auf ihn zukam.

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