Am Hochzeitstag entdeckt sie den Verrat ihres Bräutigams mit ihrer besten Freundin

Kapitel 1
Das Handy unter dem Schleier

Fünfzehn Minuten. Dann würde Anna Berger heiraten.

Sie stand allein in der engen Umkleidekabine der alten Kirche. Das weiße Kleid umschloss sie wie eine zweite Haut. Der Schleier lag weich auf ihren Schultern. Draußen warteten zweihundertsiebzig Gäste. Alle glaubten, heute sei der glücklichste Tag ihres Lebens.

Sie auch. Noch vor sechs Monaten.

Dann ein leises Klappern. Sophies Handy rutschte aus der Tasche und fiel auf den dunklen Holzboden. Anna bückte sich langsam. Das Display leuchtete auf. Eine neue Nachricht. Absender: Lukas.

„Heute Abend ändert sich nichts am Plan. Sobald die Unterschrift da ist, verschwinden wir.“

Anna erstarrte nicht. Sie blinzelte nicht einmal. Ihre Finger berührten das kalte Glas ruhig, fast zärtlich. Kein Irrtum. Kein Missverständnis. Die Nachricht war klar.

Sie scrollte weiter. Alte Nachrichten luden sich. Fotos. Überweisungen. Beträge, die aus dem Treuhandfonds ihres Vaters stammten. Drei Jahre lang. Immer Sophie und Lukas. Immer ihr Name als das ahnungslose Opfer.

Ihr Herz schlug ruhig. Viel zu ruhig. Weil sie seit sechs Monaten auf genau diesen Moment gewartet hatte. Nicht aus Überraschung. Aus Vorbereitung.

Anna legte das Handy exakt so zurück, wie es gelegen hatte. Strich ihr Kleid glatt. Öffnete ihre Kosmetiktasche. Darin lag ein schwarzer USB-Stick. Klein. Unscheinbar. Prall gefüllt mit allem, was sie brauchte.

Sie schob ihn in die versteckte Tasche ihres Kleides, direkt über dem Herzen. Er fühlte sich warm an. Wie eine Waffe, die bereits entsichert war.

Die Orgel begann zu spielen. Lukas wartete am Altar. Sophie stand daneben, mit einem Lächeln, das sie sich offenbar selbst nicht traute.

Anna sah ein letztes Mal in den Spiegel. Lippenstift perfekt. Augen klar. Kein Zittern. Keine Träne.

Nur ein kleines, echtes Lächeln.

Sie flüsterte: „Es geht los.“

Dann öffnete sie die Tür.

Die Hochzeit konnte beginnen. Aber nur eine Person in dieser Kirche wusste, wie sie enden würde.

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